Es ist Kreisfest, aber ganz anders als Du es kennst!

Bild vom Dreh in Simmersbach – Hannah Thielmann, Beisitzerin im KV, interviewt den Vorstand des CVJM Simmersbach

Manchmal kommt es anders als man denkt – lange haben wir als Kreisfest Vorbereitungsteam gehofft, dass sich die Corona Begrenzungen noch lockern könnten und wir das Kreisfest wieder in Donsbach durchführen könnten. Aber leider mussten wir einsehen: so wird es nicht sein können. Daher haben wir für Euch eine interessante Videoversion erstellt – Reiner Leschik (Vorsitzender des Kreisverbandsvorstand) verrät aktuelles aus dem KV spricht mit Sandra Nell (Schriftführerin des Kreisverbandsvorstand) über die Zukunft des Kreisverbands, Hannah Thielmann (Beisitzerin im Kreisverbandsvorstand) interviewt gleich drei Menschen aus dem Vorstand des CVJM Simmersbach, der neu in den KV Dillkreis Dillkreis aufgenommen wurde, TENSING singt bei strahlendem Sonnenschein gleich 2 Lieder und einen Gruß der Kreisbläser gibt es auch. Kreissekretär Björn Wagner wird in der Predigt (hoffentlich) zum Superspreader von Gottes guten Gedanken und eine neue CVJM Hymne gibt es auch…wir freuen uns sehr auf das Ergebnis, das ihr am kommenden Sonntag (20.09.2020) um 14:00 Uhr hier auf der Webseite bestaunen könnt. Gedacht ist das Video so, dass ihr in Euren jeweiligen Ortsvereinen Watchparties organisieren könnt, kleine Gruppen gemeinsam schauen können, aber auch in Jugend- oder Mitarbeiterkreisen. Weil es ein Video ist könnt ihr es ganz einfach in den Rhythmus Eures Ortsvereins einpassen. Wenn ihr derzeit Corona-bedingt noch keinen Veranstaltungsrhythmus habt, ist es vielleicht ein Grund mal wieder (im Rahmen der aktuellen Vorschriften) zusammen zu kommen.

Stay tuned!

heute:morgen #06 – Der eine Ring und der Glaube

Es ist Freitag 18:00 Uhr und das heißt (alle 14 Tage): eine neue Episode von heute:morgen erscheint! Diesmal sprechen Sandi und Björn über einen Ring. Also eigentlich 3 Ringe und 1 Wahrheit. Und dabei wird es wieder: lustig, persönlich und weiterbringend…eben typisch heute:morgen…

Der CVJM ist eine Bibelbewegung! Und die Bibel und ihr Verständnis ist in Bewegung! Teil 1

Bibelfundamentalismus – sein berechtigtes Anliegen und warum er dennoch daneben liegt – Folge 1 von 8

Bibel – ich weiß nicht, was dieser Begriff bei Dir auslöst. Abwehr (Märchenbuch)? Interesse? (“wollte ich doch immer mal lesen!”) Oder irgendetwas dazwischen? Die CVJM sind Bewegung und haben eine (schmale) Grundlage, die Pariser Basis und noch ein paar weitere Grundsatzpapiere. In dieser Basis heißt es:

“Die Christlichen Vereine Junger Menschen haben den Zweck, solche jungen Menschen miteinander zu verbinden, welche Jesus Christus nach der Heiligen Schrift als ihren Gott und Heiland anerkennen, in ihrem Glauben und Leben seine Jünger sein und gemeinsam danach trachten wollen, das Reich ihres Meisters unter jungen Menschen auszubreiten. Keine an sich noch so wichtigen Meinungsverschiedenheiten über Angelegenheiten, die diesem Zweck fremd sind, sollten die Eintracht geschwisterlicher Beziehungen unter den nationalen Mitgliedsverbänden des Weltbundes stören.” Zusatzerklärung: “Die CVJM sind als eine Vereinigung junger Männer entstanden. Heute steht die Mitgliedschaft allen offen. Männer und Frauen, Jungen und Mädchen aus allen Völkern, Konfessionen und sozialen Schichten bilden die weltweite Gemeinschaft im CVJM.

Pariser Basis der CVJM Bewegung aus dem Jahr 1855

Da steht kurz und knapp (und in der Sprache des 19 Jhd.): “welche Jesus Christus nach der Heiligen Schrift als ihren Gott und Heiland anerkennen“. Das hat die CVJM schon immer untrennbar mit der Bibel – der Heiligen Schrift – verbunden. Aktionen wie “Liest Du mich?” und die Andacht, die selten bei CVJM Veranstaltungen fehlt, zeigen das bis heute. Die CVJM sind eine Bibelbewegung. Was bedeutet das? Gerade in unserer Gegend – dem Dillkreis – haben Bibelfundamentalistische Gemeinschaften und Kirchen eine lange Tradition. Brüdergemeinden, Freie Gemeinden, Landeskirchliche Gemeinschaften, Pfingstkirchen (und noch viele andere) haben eine besondere Beziehung zur Bibel, die auch auf unsere eigentlich ökumenisch offeneren und durch das schlanke “Bekenntnis” (s.o.) nicht so dogmatisch festgelegten CVJM unseres Kreisgebiets abfärbt. Und da gibt es doch immer wieder Rückfragen, Diskussion und auch manchmal Streit um Themen wie: “Rechtgläubigkeit”, “wie soll man sich verhalten?”, “wie sollen wir nach der Heiligen Schrift unser Leben gestalten?” und “wann ist man gerettet?” oder “dürfen Frauen predigen und leiten?”– all das sind hochtheologische und brisante Themen, die untrennbar mit etwas verbunden sind, das Jens Stangenberg (siehe oben) mit dem Wort “Bibelfundamentalismus” beschreibt. “Bibelfundamentalisten haben ein berechtigtes Anliegen, aber liegen dennoch daneben”. Sie wollen die Bibel verteidigen gegen den “Zeitgeist” und lassen dabei allzuoft das Leben dieses wunderbaren Buches erstarren. Nicht die Bewegung Gottes durch die Zeit ist ihnen wichtig, sondern das Festhalten an einer abstrakten und damit körperlosen Wahrheit. Jens Stangenberg macht sich auf – wie kein zweiter – Bibelfundamentalismus zu verstehen und dann aber auch zu kritisieren. Das ist ihm gelungen er hat dazu eine Podcast-Reihe veröffentlicht, die:

  1. unglaublich fair und genau recherchiert ist. Keine „Abrechnung“, sondern eine „Aufrechnung“. Dabei kommen Vertreter des „Bibelfundamentalismus“ selbst zu Wort, Jens arbeitet mit vielen Quellen. Es geht ihm zuerst um das Verstehen.
  2. fundiert kritisch ist und weiterführende Fragen stellt, er kommt dem Kern des Problems dabei nahe: „Welche Haltung, welche Weltsicht hat der Bibelfundamentalismus?“ und das ist erstaunlich wie präzise er darlegt und diskutiert.
  3. persönlich, aber versöhnt ist: da spricht jemand mit persönlicher Geschichte und einer Innensicht, aber auch einer reflektiert-neugewonnen Aussenperspektive. Gerade das versöhnte Element macht diesen Podcast besonders wervoll. Es ist nie Fundamentalismus-Bashing, immer Verstehen wollen und genau daraus auch kritische Anfragen stellen.

Der CVJM ist eine Bibelbewegung und das wird er auch bleiben – er ist und darf keine Bibelfundamentalistische Bewegung (wie von Jens Stangenberg definiert und kritisiert) werden – dazu ist das gemeinsame Ringen um die Bedeutung der Bibel zu wichtig. Warum, das werde ich im 2. Teil dieses Posts weiter erläutern und besprechen.

Zoom Videocalls verschoben

Leider werden die Zoom Videocalls auf nach dem Kreisfest verschoben. Der Grund liegt in der mangelnde Anmeldesituation.

Der breiteste Pastor Deutschlands in heute:morgen #05

Marcus beim Aufnehmen

Der neue heute:morgen ist da #05 mit dem breitesten Pastor Deutschlands Marcus Schneider. Und das genial, was er zu sagen hat! Gleich reinhören!

hier geht’s zu Podcast.

Hier zu Mutig und Stark – bitte überlegt, ob ihr dieses geniale Projekt unterstützen wollt.

Secret Place “Das Geheimnis echter Stärke” mit Deutschlands breitestem Pastor Marcus Schneider

Am Sonntag den 23.08.2020 fand der 2. Secret Place Gottesdienst in 2020 statt: in Eibelshausen auf dem Holderberg. Unter Einhaltung aller Hygienevorschriften konnten wir mit superdisziplinierten 150 TeilnehmerInnen (Danke an alle! Ihr wart toll! AHA Regeln eingehalten, in Euren festen Gruppen geblieben und superaufgepasst!) und MitarbeiterInnen einen besonderen Open-Air Gottesdienst feiern. Mit dabei war Deutschlands breitester Pastor, Marcus Schneider (eine interessante Doku über ihn aus dem Jahr 2019 findest Du hier), der nicht nur im Vorfeld sein Herz im Mikro unseres Podcasts ausgeschüttet hat (das Interview gibt es am Freitag im neuen heute:morgen Podcast) sondern uns auch in den Kraftakt Jesu im Garten Getsemaneh mit reingenommen hat. Das hat uns Mut gemacht für unsere eigenen Kraftakte und Herausforderungen den Weg Jesu zu gehen. Marcus hat selbst einen Kraftakt vor: den Aufbau eines Trainingszentrums für Jugendliche in dem es mehr gibt als Hanteln und Gewichte: Die Reaktionen der Jugendlichen auf die Predigt waren durchweg begeistert!

Ein Shout geht auch an Atara-Worship und Benny an der Technik! Danke für so viel Herzblut und Engagement. Dank Benny haben wir auch die Predigt schon zum Anhören – 47 kraftvolle und spannende Minuten mit Marcus Schneider.

Nächster Secret Place am 23.08. // 19 Uhr Open Air und Live

Und wieder wisst ihr nicht wo. Aber wer! Marcus Schneider alias “der breiteste Pastor Deutschlands” kommt zu unserem nächsten Secret Place. Alle Infos wie immer hier oder auf Instagram.

heute:morgen Podcast #04 Vom Zu-hören und Reden-müssen

Anders als die drei vorhergehenden Podcasts greift die #04 ein aktuelles Thema auf: was ist, wenn in Deiner eigenen Familie Menschen mit ganz unterschiedlicher Meinung zu der Corona Pandemie sind? Und dieser laut “Corona-Verschwörungstheorien” rufen? Wir wollen zu-hören und ahnen, dass wir reden-müssen. Hört selbst!

„Die Corona-Krise ist nicht nur eine Art Zwangspause, sondern ein Kairos voll heiliger Verunsicherung“

Ich weiß nicht, wie es Dir mit dem Thema Corona geht – vermutlich zwischen „ich kann es nicht mehr hören“ und „hoffentlich nehmen die Menschen das Thema ernst“. Ich bin froh, dass die CVJM in Deutschland das Thema bearbeiten. Viele persönliche Kontakte und Freundschaften verbinden mich mit dem ejw (Evangelisches Jugend Werk) in Württemberg. Und so habe ich mich gefreut diese Gedanken aus dem „Werkfunk“ zu lesen (ihr findet sie komplett unten oder unter dem Link). Es geht um‘s AUF-HÖREN.

AUF-HÖREN – man kann es kaum besser ausdrücken. Wir wollen „AUF-HÖREN“, ich habe ja bereits einen Blogpost zu diesem Thema geschrieben, wie COVID-19 die CVJM Arbeit verändert und so nehme ich auch gern diesen Gedanken mit: AUF-HÖREN. Die Richtung ist dabei die Entscheidende: HIN-AUF Hinauf zu dem, der die Welt angefangen hat, der die Kirche erdacht hat, der, der die Weltgeschicke lenkt, Gott selbst. Die Betriebsamkeit steht für viele im CVJM an erster Stelle. Das Arbeiten gibt Identität (wir nennen uns ja „Mitarbeiter“, nicht nur „Mitglieder“) und doch ist es gerade alles Arbeiten kaum möglich. HIN-AUF hören ist das Gebot der Stunde. Aber auch „AUF“.

Ich weiß. Ich weiß. AUF-HÖREN im Sinne von „seinlassen“ ist eine große Bedrohung für viele von uns. Wenn wir mit dem Aufhören, was wir immer schon gemacht haben, steht der Verlust im Vordergrund und nicht die Chance. Das aber ist die HERAUS-FORDERUNG unserer Tage. Wir werden heraus gefordert. Und ja: eine Forderung ist selten einfach. AUF-HÖREN im Sinne von Seinlassen. Dinge, die wir einfach weiter tun, weil sie schon immer getan wurden, sind oft sinnentleert. Merken wir das noch? Wir sind im „das muss doch“ oder „das haben wir immer so gemacht“ gefangen. AUF-HÖREN kann auch befreiend sein.

Und dann ist aber auch da etwas wichtiges im AUF-HÖREN: das „Hören“ nämlich. Kann es sein, dass wir in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten hier zu wenig Zeit investiert haben? Im Hören auf das, was Gott uns sagen will? Im Gebet? Auch im Zuhören zu den Ängsten und Nöten der Gesellschaft? Ich glaube das ist wichtig zurück zu gewinnen: AUF-HÖREN, damit wir HÖREN können. Auf Gottes Gedanken. In seinen Worten. Miteinander im Gebet.

Ein Vorschlag: Macht doch AUF-HÖR-Treffen. Gemeinsam. Fragt Euch, „was können wir lassen?“ Aber auch: „was will uns Gott sagen – für unseren CVJM, für unser Dorf, für die Menschen, zu denen er uns gesandt hat?“

Hier der eingangs erwähnte Text in vollem Wortlaut (Rechte verbleiben beim ejw).

Ein Zwischenruf aus dem EJW und von churchconvention und Pfarrerinnen- und Pfarrergebetsbund

Die Corona-Krise ist eine wuchtige Unterbrechung: schmerzhaft, bitter, beängstigend. Für manche, die eine Verlangsamung des Alltags erfahren haben, aber vielleicht auch wohltuend. Viel von dem, wie wir bisher gearbeitet haben, geht nicht mehr. 

Wir glauben: 
Die Corona-Krise ist nicht nur eine Art Zwangspause, sondern ein Kairos voll heiliger Verunsicherung. Niemand weiß, wie genau es weitergehen wird in unserem Land, in der Gesellschaft und Wirtschaft, in der Jugendarbeit und in der Kirche. Wir nehmen diese Verunsicherung sehr ernst. Die Pandemie und ihre Folgen haben viele Menschen schwer getroffen, hier in Deutschland und überall auf unserer Welt. Zugleich sind wir davon überzeugt, dass die Zusage von Jesus Christus auch jetzt gilt: 
„Ich bin bei euch alle Tage!“

Und darum wollen wir uns von Gott unterbrechen lassen und „AUF-HÖREN“. 

Wir wollen AUF-HÖREN im Sinne von Beenden und Stoppen:

Wir wollen aufhören, uns primär von Angst und Sorgen leiten zu lassen. Angst vor dem Virus und Sorgen angesichts des weniger werdenden Geldes in der Kirche.

Wir wollen aufhören mit hektischer Betriebsamkeit und einem Immer-Weiter nur unter veränderten Bedingungen. Wir glauben nicht, dass das Heil in einer möglichst schnellen und vollständigen Rückkehr zum Status quo vor der Krise liegt. Und zugleich wollen wir uns nicht zurückziehen, sondern Kirche bei den Menschen und für die Menschen sein.

Wir nehmen wahr: 
Einiges von dem, was uns vor Corona beschäftigt hat, hatte seinen Ursprung in vielleicht auch vermeintlichen Sachzwängen. Manches, vielleicht sogar vieles von dem, was wir vor Corona getan haben, war eher eine Art Am-Laufen-Halten unserer Programme. 

Wir fragen uns: 
Was von dem, was wir getan haben und tun, hat seinen Ursprung wirklich in Gott? Wo hat sein Heiliger Geist uns geleitet? Wo hat seine Liebe uns motiviert? Haben wir Gott gefragt, uns mit ihm abgestimmt? 
Und wir wollen uns daran erinnern lassen, dass Krisenzeiten für das Volk Gottes immer auch Zeiten waren, das eigene Handeln zu bedenken und umzukehren. 

Wir möchten deshalb neu lernen, AUF Gott zu HÖREN:

Wir wollen eine neue innere Haltung entwickeln, die offen ist für die Leitung Gottes. Wir wollen uns darin üben, sensibel zu sein für das leise Reden und Wehen des Heiligen Geistes.

Wir glauben, dass wir dazu eine neue Spiritualität in Gremien und Gruppen brauchen. Eine Spiritualität, die uns in ein verletzliches Fragen vor Gott hineinführt. Eine Spiritualität, die nicht aus sich selbst heraus „funktioniert“, sondern darauf angewiesen ist, dass Gott sich ereignet, dass Gott redet, dass sein Heiliger Geist unser Denken und Handeln erfüllt. Hierfür brauchen wir in unseren Sitzungen neue Freiräume.

Für eine solche Offenheit braucht es entsprechendes „Handwerkszeug“. Es braucht Strukturen und Ideen, wie wir als Gremien und Gruppen in ein „Hören“ vor Gott finden und anschließend gemeinsam dem Gehörten auf die Spur kommen. Hier wollen wir experimentieren und lernen.

Zugleich geht es um mehr als um Liturgien und Gebetsentwürfe für Gremien und Gruppen. Es geht um eine innere Haltung. Es geht darum, dass wir uns prägen lassen von Gottes Heiligem Geist. Und es geht darum, dass uns dies eine Perspektive für unser Handeln und Leiten gibt.

Weitere Informationen und Download:
– Offener Brief und Zwischen-Ruf als pdf-Datei
 Medien-Information vom 28.07.2020

Stand: 28.07.2020 (ef)


“Nichts wird wieder wie es war und genau da liegt die Chance.”

Es gibt besondere Momente im Leben von Menschen. Meilensteine der persönlichen Biographie. Geburt, Hochzeit, Abschiednehmen – Zeiten des Übergangs. Wir leben – wie schon oft zitiert – als Gesellschaft wieder in einer solchen Zeit des Übergangs, der Veränderung. Das betrifft uns als CVJM-Bewegung weltweit wie in jedem einzelnen Verein vor Ort. Ja, es betrifft uns. Etwas anderes zu sagen oder den Kopf in den Sand zu stecken ist in solchen Zeiten fahrlässig und unverantwortlich. Hören wir gut zu, was Hansjörg Kopp, Generalsekretär des CVJM Deutschland zu sagen hat:

Es wäre ein Fehler, würden wir versuchen, CVJM wieder so zu gestalten wie er vor März 2020 war. Bitte nicht.

Hansjörg Kopp, Generalsekretär des CVJM deutschland

Bitte nicht. Es klingt nach wenig und zaghaft. Bitte nicht. Wir sollten es aber sehr ernst nehmen als CVJM jedweder Ausprägung. CVJM sind keine eigene Gesellschaft, die mit allem rundherum nichts zu tun hat: CVJM sind Teil dieser Welt und damit eng verbunden mit den Orten, den Städten, dem Land in dem wir wohnen. “Suchet der Umgebung Bestes” zitiere ich Jeremia 29 mal etwas angepasst. Damit muss sich ein CVJM auseinander setzen. Und diese Umgebung ist im Wandel, seit Jahren schon, aber eben jetzt bedingt durch COVID-19 nochmal schneller.

Und: die CVJM Bewegung in Deutschland ist nicht Kirche an sich und doch vielerorts in die Jugendarbeit der Kirchen, die Arbeit von Gemeinden eingebunden. Viele CVJM erhalten finanzielle Unterstützungen seitens der Kirche. Eine Veränderung im Bereich der Kirchen, Mitgliederzahlen, Konfirmandenarbeit, Zusammenlegung von Kirchenbezirken, finanzielle Ressourcen, wird unweigerlich Auswirkungen auf die CVJM haben. Und neue Chancen beinhalten. Dazu wird es unten mehr zu lesen geben.

Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.

Albert Einstein

Albert Einstein sagt es nicht so fein wie Hansjörg Kopp. Wahnsinn? Wahnsinn! Es ist Wahnsinn das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten. Das ist eine große Herausforderung. Ich glaube die CVJM können dieser Herausforderung nur begegnen, wenn sie wieder entdecken wofür sie stehen und warum sie entstanden sind. Die CVJM stecken leider oft in der Institutionshaltung “Strukturen, um der Strukturen willen” und “das haben wir schon immer so gemacht” fest – die beste (und lustigste) Analyse dieser Tatsache ist vielleicht das Theaterstück der BundessekretärInnen der BMT auf Borkum 2019 ich kann sie jedem nur Empfehlen anzuschauen. Warum gibt es CVJM? Was ist das überhaupt? Diese Frage muss eine Bewegung immer wieder beantworten, neu formulieren, manchmal darum ringen. Jetzt ist eine solche Zeit.

Die Zeit in der wir leben erfordert ein anderes Denken, ein Einlassen, ein Entdecken und Ausprobieren. Ein anderes Denken anprobieren, damit wir anfangen können anders zu handeln. Und: es wird andere Ergebnisse hervorbringen, hervorbringen müssen. Ich bin ganz ehrlich: das wird auch mit Abschied nehmen zu tun haben, Abschied von vielem, was “wir immer so gemacht haben”. Und ja: das schmerzt. Aber wie das Wort “CVJM Bewegung” sagt: CVJM ist keine Institution, sondern hat mit Bewegung zu tun. Gott ist ja auch kein immobiler, unbeweglicher Gott, sondern ein Gott, der in Bewegung ist, zu den Menschen. Das sollte uns anspornen und motivieren es ihm gleich zu tun – in Bewegung und damit Bewegung, zu sein. Die Ereignisse um COVID-19 haben uns gezeigt: CVJM kann digital. Und ob wir es gut finden oder nicht: wir sind herausgefordert digital zu bleiben.

Nachdem ich den hervorragenden Artikel von Tobias Faix (Professor an der CVJM-Hochschule) gelesen habe erlaube ich mir seine 10 Thesen hier zu zitieren und mit einer Frage zu verbinden: Was bedeuten diese Thesen für die Zukunft der CVJM-Bewegung? These 10 mag ich aber bereits jetzt schon übernehmen: Die Zukunft der CVJM Bewegung ist hybrid – digitale wie analoge Ausdrucksformen von CVJM Arbeit werden in großer Selbstverständlichkeit nebeneinander stehen und bedingt durch die COVID-19 Pandemie geschieht das ja auch an vielen Orten.

Zehn Thesen von Tobias Faix und Fragen zur Zukunftsdiskussion der (digitalen) Kirche:

  1. Den Mut feiern. Es ist mehr möglich als gedacht, jetzt ist es an der Zeit, diese Möglichkeiten zu reflektieren und das Gute zu systematisieren und für alle zugänglich zu machen. Nicht jede Kirchgemeinde muss ihre digitale Kirche neu erfinden. Wer organisiert und wo sind öffentliche Plattformen?
  2. Den digitalen Burnout vermeiden. Digitalisierung ist ein Marathon und kein Coronasprint. Es gilt Strukturen zu legen und Ressourcen zu sammeln, um digitale Kirche als einen Teil von Kirche rechtlich (auch Arbeitsrechtlich) und finanziell zu legitimieren.
  3. Digitale Kirche ist kein Hobby von Kirchennerds oder hippen Pfarrerinnen! Schulungen für Ehren- und Hauptamtliche gehören genauso dazu wie die Entdeckung und Würdigung der Menschen, die Teil von Kirche sind, aber bisher nicht gesehen wurden. Digitale Kirche ist kein Zusatz, sondern ein wichtiger und wesentlicher Teil von kirchlicher Arbeit.
  4. Es braucht eine Qualitätsdiskussion zu digitaler Kirche genauso wie zu analogen Gottesdienten. Eine Zeit des Umbruchs ist immer auch eine Zeit, um über das, was gerade stattfindet nachzudenken und zu reflektieren, was verbessert und geändert werden sollte. Dabei geht es auch um die Qualität spiritueller Inhalte im Gottesdienst und den Möglichkeiten der eigenen Gottesbegegnung.
  5. Kirche ist mehr als Gottesdienste und digitale Kirche mehr als Livestreams. Onlinegottesdienste allein greifen zu kurz, denn vom Kirchenrecht bis zur Diakonie sind alle Bereiche der Kirche involviert.
  6. Identitymarker der digitalen Kirche: Zugehörigkeit und Teilhabe als einfache digitale Zugänge sind wichtige Beiträge zu zentralen Zukunftsthemen der Kirche. Hier kann die digitale Kirche wesentliche Impulse zu den aktuellen Diskussionen wie Mitgliedschaft oder Teilhabe beitragen.
  7. Kommunikation des Evangeliums: Sprachfähig sein, im Netz und analog, ist die Voraussetzung, um gesprächsfähig zu sein. Denn digitale Kirche ist ein Dialog, in dem nicht nur das Senden von Nachrichten entscheidend ist, sondern auch das Verstanden werden und Verstehen anderer Nachrichten.
  8. Digitalisierung ist auch eine Sternstunde des Ehrenamts. Ad fontes, oder um es mit Luther zu sagen: Das Priestertum aller Gläubigen. Kirche ist zu hierarchisch und zu klerikal geworden – digitale Kirche kann helfen, verkrustete Strukturen aufzubrechen. Denn Digitalisierung ist vor allem eine Basisbewegung. Dazu braucht es neben digitalen Angeboten auch innovative neue analoge Formen von Kirche. Corona hat gezeigt, dass der Umgang und Gebrauch von digitalen Angeboten im Alltag der Menschen angekommen ist.
  9. Was ist der kirchliche Beitrag zur gesellschaftlichen Diskussion rund um das Thema Digitalisierung? Neben dem Nutzen und Gebrauch ist die Kirche besonders in der Frage der Netzethik gefragt. Eine evangelische Ethik, die in der Spannung zwischen Freiheit und Verantwortung steht, kann wichtige Impulse in den vielen schwierigen Herausforderungen geben, denn viele Fragen wie bspw. zur Datensicherung oder Netzneutralität sind immer noch nicht geklärt.
  10. Die Zukunft der Kirche ist hybrid! Bei allem momentanen Hype um die Thematik Digitalisierung und Kirche, geht es in der Zukunft um eine Selbstverständlichkeit für beides, der einen Kirche mit unterschiedlichen analogen und digitalen Ausdrucksformen.