Serie: im Zwischenland (Teil 1)

Inspiriert von dem wunderbaren Buch von Jeff Manion „Zwischenland: Halt finden in Zeiten des Umbruchs“ beginne ich diese Serie von Blogposts zum Thema „Zwischenland“. Wir sind derzeit im Zwischenland unterwegs – das alte, bekannte, das gewohnte trägt nicht mehr. „Wir können nicht einfach in die Vor-Corona-Zeit zurück“ so beschreibt es CVJM-Generalsekretär Hansjörg Kopp.

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Aber: die Zukunft ist auch noch nicht da. Wir sind ja noch nicht mal Ende der Krise angelangt, wir haben nur gelernt mit ihr zu leben. Daher möchte ich einen ehrlich und manchmal auch etwas nervösen Blick auf die Geschichte des Auszugs aus Ägypten werfen und aus dem Zwischenland der Wüstenwanderung einige Ideen gewinnen, wie wir dieses, unser Zwischenland gestalten können.

Teil 1: Zu Anfang schon am Schwimmen.

Eigentlich ist die Geschichte von Anfang an verkorkst. Wenn man es genau nimmt, sollten die Israeliten gar nicht dort sein, wo sie sind. In Ägypten. Mal ehrlich: Sie sollten in einem Land sein, dass ihren Vätern verheissen wurde, gegeben, geschenkt. Eine Not trieb sie weg. Hunger. Ägypten ist es geworden. Und dort haben sie sich eingerichtet und warum auch nicht? Immerhin war Josef ein hoher Beamter des Pharao und es ging ihnen gut.

Da kam in Ägypten ein neuer König an die Macht, der von Josef nichts mehr wusste.

2. Mose 1,8

Aber: Zeiten ändern sich. Die Israeliten waren unter Fremdherrschaft. Eine Kultur, eine Regierung und eine Religion waren ihnen vorgesetzt. Und diese Kultur in der die Israeliten leben vergisst die Vergangenheit – versinnbildlicht durch Josef (1. Mose 37ff) und bedrückt die Gegenwart der Menschen, die eigentlich frei in ihrem eigenen Land leben sollten.


Er [der Pharao] sagte zu seinen Leuten: »Die Israeliten sind so zahlreich und stark, dass sie uns gefährlich werden.

2. Mose 1,9

Und da befindet sich Israel mitten in einem Macht-Spiel. Um die Vorherrschaft in Ägypten zu sichern, lässt der Pharao seine Muskeln spielen und unterdrückt das Volk Israel. Viele Menschen, viele Männern, bedeuten auch: viel militärische Macht. Was ist, wenn diese Israeliten den Umsturz planen? Eine einfache Lösung ist: Nachwuchs wegnehmen. Vor allem die Jungen werden brutal, im Kindesalter bereits, umgebracht. Eine schreckliche Situation, die man in dieser Narrative im 2. Buch Mose nur verurteilen kann. Pharao, der Kindermörder. Israel, ein Volk mit harter Vergangenheit, in schwerer Gegenwart und ungewisser Zukunft. Was ist zu tun?

Sie wurde schwanger und brachte einen Sohn zur Welt. Als sie sah, dass es ein gesundes, schönes Kind war, hielt sie es drei Monate lang versteckt.
Länger konnte sie es nicht verbergen. Deshalb besorgte sie sich ein Kästchen aus Binsen, dichtete es mit Pech ab, sodass es kein Wasser durchließ, und legte das Kind hinein. Dann setzte sie das Kästchen ins Schilf am Ufer des Nils.

2. Mose 2,2-3

Was für ein Start! Der Anfang von Gottes Rettungsplan für das Volk Israel. Keine Fanfaren, kein Engelschor – Mose war einer von ihnen. Ein schönes Baby, aber ein Baby. Mitten in der Zeit geboren, in der die Familien der Israeliten um ihre neugeborenen Jungs fürchten mussten, lag Gottes Idee eines Retters darin, einer von diesen bedrohten Kindern zu werden. Der Nil war nicht irgendein Fluss. Er war der lebensspendende Strom, der Herren und Sklaven gleichermassen ihr Überleben sicherte. Aber: der Nil war bei weitem kein Ententeich. Ein Kästchen aus Binsen war auch nicht wirklich ein Rettungsboot. Man könnte dieses Kleinstschiff auf den Namen „Hoffnung“ taufen. Hoffnung, dass Gott retten wird. Und er tut es.

Die Tochter des Pharaos nahm ihn als ihren Sohn an. Sie sagte: »Ich habe ihn aus dem Wasser gezogen.« Darum gab sie ihm den Namen Mose.

2. Mose 2,10

Auch wenn Gottes Rettungsplan von Anfang an am Schwimmen ist: er geht in die nächste Phase dieses Zwischenlands der Israeliten und diese Phase heißt: Verstehen und Er-Wachsen.

Was nehmen wir davon mit?

Egal ob als CVJM oder Kirche(n): wir leben in einem Land, dessen Regeln wir nicht machen. Und es hat sich verändert. Es gab einmal einen großen und positiven Einfluss unserer Väter auf die Gesellschaft und die Gemeinschaften der Christen. Das hat sich verändert – selbstverständlich geniessen wir die Freiheit einer demokratischen Staatsordnung und finden uns nicht durch staatliche Repressalien bedroht, aber der Fakt ist: wir leben in einem Zwischenland zwischen der Vergangenheit und der Zukunft. CVJM und Kirche(n) muss neu schauen, wie man dieses uns fremd gewordene Land neu navigieren kann.

Kleine Projekte, die Hoffnung verbreiten, können große Dinge bewegen. Wie ein Binsenkorb auf dem Nil kann Hoffnung weiter gehen. Auch, wenn alles am Schwimmen ist und die Lage, in der wir uns befinden unsicher ist und sich bedrohlich anfühlt: Hoffnung bewegt.

Gott ist mit dem kleinen Mose wundersame Wege gegangen. Er hat die ägyptische Kultur und Umwelt kennen gelernt wie sonst kaum jemand: er wurde Kind am Hof des Pharao. Dort machen wir im 2. Teil der Serie weiter.